Patrick R. Ullrich: Mikro-Interview #1

1. Welche Themen oder welchen Subtext verfolgst du mit den Vier Reichen?

Ich wurde mal in ähnlicher Weise gefragt, ganz zu Beginn. Beruhigt stelle ich fest, die damalige Antwort taugt noch. So zitiere ich mich also selbst(gefällig):

„Die simple Verdammung Hitlers und seiner Paladine, die schlichte Dämonisierung, birgt Gefahren. Der Führer der Deutschen war ein Mensch! Ihn und andere als Unmenschen zu klassifizieren, ist natürlich verführerisch. Denn dann kann es »mir« ja nicht passieren. »Ich« bin ja kein Unmensch. Ganz abgesehen davon, dass die Unterteilung in Mensch und Unmensch der nationalsozialistischen Auffassung von Herren- und Untermensch irgendwie ziemlich gleichkommt, nicht?“

Menschlichkeit und ihr Kontrapunkt ist also ein großes Thema und natürlich spielt Liebe, als die so ziemlich anspruchsvollste Anforderung an den Menschen, eine Rolle. Das Liebeskonzept „meiner“ Elfen konterkariert geradezu unsere kulturell-, geschichtlich,- religiös konditionierte Liebesdefinition. Wir merken dieser Tage ja, wie wenig tauglich das Ganze ist und wie dringend der gesellschaftliche Konsens darüber einer Erneuerung bedarf, bzw. wie holprig dieser vonstatten geht so er denn begonnen ist. Im Club der toten Dichter lässt Keating seine Schüler auf sein Pult steigen, um eine neue Perspektive zu erfahren. In den Vier Reichen kann und soll der Leser durch die Augen von Elfen, Zwergen und Orks schauen und vielleicht eine neue Sicht auf seine Menschlichkeit entdecken. Zu viel verlangt? 🙂

2. In der Welt der Vier Reiche tauchen Nazi-Bonzen als Protagonisten gegenüber Elfen und Zwergen, das Cover ziert der kantige Schatten eines Hakenkreuzes und das Finale des ersten Bandes der „Legaten“ lässt vermuten, dass wir bald deutlich mehr über die braunen Esoteriker auf der Wewelsburg lesen werden. Du hast somit stark auf die Fähigkeiten des Lesers vertraut, den Inhalt zu extrapolieren, anstelle über dich ein vorschnelles Negativurteil zu fällen. Doch hattest du zu irgendeinem Zeitpunkt gedacht, man würde dich möglicherweise lynchen?

Es gab schon Bedenken und wir wissen auch um etliche Leser, die sich zunächst von der prangenden Swastika abhalten ließen. Aber, niemand der die Geschichte gelesen hat, stellte hinterher das Cover noch infrage. Wer aber aburteilt, ohne den Inhalt geprüft zu haben, soll es eben bleiben lassen. Wer heute übrigens Angst hat gelyncht zu werden, darf in sozialen Netzwerken eh keinen geraden Gedanken formulieren. Eine Angst also, die Du ja auch nicht teilst. Nein, in den Vier Reichen ist Hitler drin, also ist ein Gefahrgut-Hinweis in Form eines Hakenkreuzes durchaus in sinnvoller Weise ehrlich. 🙂

Es gibt, wenngleich selten, immer mal wieder Diskussiönchen, Stürme in Wassergläsern. Auch hier zitiere ich einfach mal aus dem einschlägigen Paragrafen (ich nutze stets jede Gelegenheit ^^ ): in Deutschland ist eine Hakenkreuzdarstellung nach §86 Abs. 3 StGB immer dann zulässig, wenn sie …

»… der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.«

Und Literatur ist Kunst!


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